In einer Welt der Ruinen aufrecht stehen bleiben
Tag 1 - Roma
Mit leichter Sorge aufgrund der – zumindest für BRD-Verhältnisse – schwierigen Wetterlage machte ich mich am Montag mit meinem kleinen Koffer Richtung Bahnhof auf. Von dort ging es weiter zum Flughafen, um mit meiner überschaubaren Reisegruppe ins wunderschöne Italien genauer gesagt nach Rom – zu fliegen.
Der Termin war nicht zufällig gewählt und für die meisten auch nicht der erste. Jährlich fand hier ein Andenken anläßlich des Acca-Larenzia-Massakers statt, bei dem drei Mitglieder des MSI (Movimento Sociale Italia) ermordet worden waren. Franco und Francesco wurden von einer Gruppe Kommunisten mit automatischen Waffen erschossen; Stefano starb durch die Kugel eines Polizisten, der sich nach einer Ladehemmung seiner Dienstwaffe die Pistole eines weiteren Beamten reichen ließ, nachdem Tumulte infolge des vorigen Attentats ausgebrochen waren.
Am späten Nachmittag bei milden Temperaturen in Rom
angekommen, steuerten wir nach einer kurzen Stärkung in der Trattoria das Carré
Monti an. Ein Café, betrieben von dem Ehepaar Chiara und Sebastien und in der
Vergangenheit schon lobend von der ZEIT erwähnt, sollte unser nächstes Ziel
werden. Hier bekam man neben italienischen Kaffeespezialitäten auch wunderbare
Longdrinks und Cocktails, und das auffällig günstig. Die beiden Inhaber waren
keine Unbekannten. Beide waren feste Bestandteile von Casa Pound Italia, einer
Bewegung, die gewohnte Denkmuster mit bemerkenswerter Kontinuität zu
durchbrechen versteht. Gianluca, den Kopf eben jener Organisation, trafen wir
hier ebenfalls. Der charismatische ältere Mann war zudem der Sänger der Gruppe
ZetaZeroAlfa, die ihre poetischen Liedtexte in Rockmusik verpackte und damit
Jugendliche seit 1997 prägte.Ständig umschwärmt, wollten wir ihn nach einer kurzen Begrüßung nicht weiter behelligen. Man begrüßte sich hier mit dem Legionärsgruß, bei dem man sich beidseitig an den Unterarm griff. Als Sebastien sich kurz weiteren Gesprächen entziehen konnte, begrüßte auch er uns und informierte darüber, aus welchen Teilen Europas Nationalisten ihren Weg hierher fanden. Es seien einige andere Deutsche da, auch Österreicher und Schweizer. Viele Franzosen kamen wie jedes Jahr, was nicht zuletzt daher rühren mochte, daß Sebastien selbst französischer Abstammung war und gute Kontakte in die alte Heimat pflegte. Darüber hinaus hatten sich auch einige Bulgaren und Ukrainer angekündigt. Wir trafen weitere bekannte Persönlichkeiten bei einigen Aperol Spritz, tauschten uns aus und waren angekommen. Die besondere Gastfreundschaft, die einem hier begegnete, muß besonders hervorgehoben werden.
Tag 2 - Kultur im Regen
Der folgende Tag begann dank Elektrolyten und viel Wasser
ohne Kater noch rechtzeitig zum Frühstück im Hotel – zumindest für den Teil,
der es mit mir heimwärts geschafft hatte. Es war der Feiertag Epifania. Da Rom
unzählige Sehenswürdigkeiten bot und nicht jeder schon einmal das Vergnügen
hatte, hier gewesen zu sein, gab ich eine bescheidene Führung bei strömendem
Regen. Vom Kolosseum zog es uns entlang des Forum Romanum, gesäumt von diversen
Cäsaren längst vergangener Tage. Das atemberaubende Nationaldenkmal des
ehemaligen italienischen Königs und Einiger Italiens, Viktor Emanuel II.,
bestiegen wir gänzlich durchnäßt. Langsam zermürbt von all der Nässe schlug ich
den Besuch des Museo Nazionale Romano im Palazzo Massimo vor. Besonders die
zahlreichen antiken Skulpturen der späten römischen Republik zogen mich in
ihren Bann. Mit schmatzenden Schritten meiner vollgesogenen Schuhe zog ich von
Gang zu Gang, die Exponate bewundernd, meine Begleiter ganz vergessend.
Tag 3 - Acca Larenzia
Der folgende Morgen begann mit der Erkenntnis, daß heute Acca Larenzia stattfand, wie die Veranstaltung umgangssprachlich genannt wird. Von Regen war nichts mehr zu sehen. Sehr gut, wenn man bedenkt, daß das Gedenken sich unter freiem Himmel abspielte und es auch in Rom diesen Winter kaum 10 Grad erreichte. Im Kopf nahm die heutige Veranstaltung viel Platz ein und so planten wir keine großen Unternehmungen. Lediglich eine der beiden neugebauten U-Bahnstationen, Fori Imperiali, wollten wir uns anschauen. Während des Baus hatten Archäologen allerhand Funde gemacht, die es dort nun zu bestaunen gab. Diverse Fragmente von Torbögen konnte man dort finden, aber auch einen ikonischen Kopf der Medusa, der mich zu hypnotisieren verstand.
Der Treffpunkt der Menschen inmitten von Ruinen, das Carré Monti, wurde wie jeden Tag aufgesucht. Während die Franzosen in Sachen Alkoholgenuß schon gut dabei waren, hielten wir uns dezent zurück und so fanden nur wenige Aperol Spritz den Weg in unsere Rachen. Anläßlich solch einer Veranstaltung galt es, Contenance zu wahren. Die Reihen lichteten sich und so schlossen wir uns ebenfalls an.
Der Weg führte zur Casa Pound, dem namensgebenden besetzten Haus der Bewegung. Das Haus selbst trägt den Namen des amerikanischen Poeten Ezra Pound, der glühender Bewunderer des italienischen Faschismus gewesen war. Dieses Haus in der Via Napoleone III versprühte eine ganz eigene Energie. Als ich bereits im vergangenen Jahr Rom besuchte, kam ich zu meiner großen Freude in den Genuß einer Führung durch das Gebäude. Sebastien nahm sich viel Zeit und erklärte uns die Geschichte rund um La Torre, wie das sechsstöckige Bauwerk auch genannt wurde, aber auch die Philosophie der Bewegung CasaPound. Diese Erinnerungen schossen mir sogleich ins Gedächtnis, als ich das Hauptquartier erblickte. Zahlreiche Teilnehmer hatten sich bereits davor versammelt. Die komplette Straßenseite war gefüllt und ein Durchkommen nur mit einigen „scusi“ möglich. Mit fortschreitender Zeit füllte sich auch die gegenüberliegende Straßenseite gleichermaßen. Das Teilnehmerfeld war auffällig attraktiv. Es wurde viel Wert auf das Erscheinungsbild gelegt. Dunkle Kleidung, zwischen chic und lässig. Selbst diejenigen mit Hals- oder Kopftätowierungen reihten sich anstandslos in das ästhetische Bild ein. So genannte Kraken fand man hier nicht. Gespräche zwischen den vielen Teilnehmern florierten. An jeder Ecke begrüßte man sich herzlich, wie nach langer Abwesenheit.
Das Warten machte sich bemerkbar, doch schon marschierte Gianluca Richtung U-Bahnstation. Das war das scheinbar geheime Zeichen, welches die Masse in Bewegung versetzte. Geordnet, auf den Straßenverkehr achtend, gingen wir die Straße hinunter. Ziel war der Ort des Geschehens vor 48 Jahren, das Hauptquartier des MSI, vor dessen Tür das Attentat stattfand.
Erstes Adrenalin wurde freigesetzt, die Anspannung wuchs. Wer schon einmal dabei war, wußte, was ihn erwartete, welche Überwältigung von Gefühlen voller Feuer auf ihn einstürmte, sobald es losging. Doch es sollte noch einige Zeit vergehen, bis es so weit war. Die U-Bahnstation war nicht weit entfernt. Die Drehkreuze waren außer Betrieb. Wir kamen ohne Fahrkarte durch. Die Organisation war stets hervorragend. Nun ging es in die Bahn. Die Stimmung lockerte sich wieder auf. Besonders als einer der Italiener laut „Pickpocket“ rief und auf seinen italienischen Kameraden zeigte, ganz so wie in den YouTube-Videos, bei denen Taschendiebe in der Bahn bloßgestellt werden. Eine Geste, die ich gedanklich in mein Repertoire aufnahm.
Die Bahnstation verlassend, wurde die Stimmung wieder ernster. Erneut hieß es warten. Diese Momente schienen auf den ersten Blick nervig, bauten aber unterbewußt eine Spannung auf, die am Ende ihre absolute Berechtigung fand. Nun setzte sich der Mob wieder in Gang. Es ging die Straße hoch. Erste Aufforderungen, sich in Sechser-Reihen einzufinden, gaben uns die Ordner. Die Disziplin der Teilnehmer war groß. Es wurde kaum noch ein Wort gesprochen, Anweisungen leisteten wir direkt Folge. Der letzte Halt, bevor man uns sorgfältig auf dem Platz mit aufgemaltem Keltenkreuz platzierte. Ich war weit vorne und so einer der Ersten, der aufgestellt wurde. Von meiner Position auf der Treppe, die an den Platz grenzt, konnte ich diesen voll umblicken. Reihe für Reihe füllte sich der Platz. Wer nicht mehr darauf paßte, stand ordentlich aufgereiht auf der Straße, die zu ihm führte. Das letzte Warten begann. Das Herz schlug bis zum Hals. Selbst das Geflüster wurde eingestellt. Mein Blick wanderte durch die Reihen. Anspannung, wie bei mir, fand ich in vielen Gesichtern wieder. Man vergegenwärtigte sich, weshalb man hier stand. Was führte dazu? Wie gehen wir damit um? Wer sind wir? Wo wollen wir hin? Und dann: Das große Gefühl europäischer Einheit. Über Ländergrenzen hinweg.
Gianluca trat aus dem Hauseingang und stellte sich an seinen Platz in der ersten Reihe. Der Standartenträger folgte ihm kurze Zeit später und stellte sich vor die aufgereihten Teilnehmer. Es ertönte ein Kommando, Haltung einzunehmen. Auf Italienisch. Jeder verstand es ungeachtet aller Sprachkenntnisse. Es folgte: Per tutti i camerati caduti (Für alle gefallenen Kameraden)! Daraufhin antworteten alle stellvertretend für die Gefallenen „PRESENTE!“ (HIER!), begleitet vom römischen Gruß. Es schallte ohrenbetäubend durch die Straßen. Eine Kraft, die man schon lange vermißt hatte. Dann ein zweites Mal. Und ein drittes Mal. Für Franco, Francesco und Stefano und für alle anderen zuvor und danach. Es taten sich Emotionen auf, selbst beim Schreiben dieser Zeilen, die jeder Beschreibung spotteten. Ein Moment, den man erlebt haben muß oder ihn nie wirklich versteht. Nun kam der Befehl, sich zu rühren. Wer mochte, konnte nun eine Spende loswerden, sich ein Plakat des Gedenkens mitnehmen und den Keller anschauen, in dem neben den Porträts von Franco, Francesco und Stefano das Evola-Zitat prangte: „Ad un‘unica cosa si badi: a rimanere in piedi in un mondo di rovine“ (Auf eines allein soll man achten: in einer Welt der Ruinen aufrecht stehen zu bleiben).
Nachdem ich mich durch die Menge etwas abseits hatte drängen können, fiel mir unter den Transparenten, die an die Fassaden umliegender Häuser geklebt wurden, eines ins Auge. Dort stand geschrieben: „Ogni anno sentirete presente“ (Jedes Jahr werdet ihr „Presente!“ hören). Es repräsentierte den rebellischen Geist gut, der hier allgegenwärtig herrschte.
Während das Adrenalin langsam wieder abflaute, machte sich der Hunger bemerkbar. Das Il Brigantino war uns bereits vergangenes Jahr von einem Kellner im Carré Monti empfohlen worden. Dankenswerterweise lag auch das Restaurant in unmittelbarer Nähe dazu, sodaß die Wege kurz blieben. Gesättigt von Mozzarella und Pizza war die Grundlage perfekt, um den Abend im Cutty Sark wie gewohnt ausklingen zu lassen.
Tag 4 - Palazzo Venezia und das Colosseo Quadrato
Nachdem wir einige Zeit benötigten, um den korrekten Eingang
zu finden, betraten wir den Giardino Grande, den großen Garten, mit Palmen und
Brunnen, umgeben von Renaissance-Elementen, und entspannten schnell vom Trubel,
der an einem gewöhnlichen Donnerstagmorgen in Roms Zentrum herrschte. Beim
Kartenkauf legte man uns dann dar, daß Mussolinis Büro aufgrund von
Restaurierungsarbeiten derzeit nicht zugänglich war. Eine niederschmetternde
Botschaft gleich zum Beginn des Tages. Aber nun waren wir schon mal hier. Das
Treppenhaus führte uns in die erste Etage, in der uns ein Museumsmitarbeiter
begrüßte und über den Ablauf instruierte. Der Weg führe zuerst auf die Loggia
des Innenhofes. Dort gäbe es einige Exponate. Die Tür sei nicht zu betreten.
Anschließend sollten wir zu ihm zurückkehren und dann ginge die Führung
innerhalb weiter. Natürlich leisteten wir dem Folge – mit Ausnahme der Tür, die
es nicht zu betreten galt. Die zwei darüber angebrachten Überwachungskameras
schreckten uns nicht ab. Zur Not gaben wir die unbedarften Touristen. Wir fanden
uns in einem Gang mit weiteren Türen wieder, von denen wir jede zu öffnen
versuchten. Tatsächlich gelang es bei zwei oder drei Türen. Eine eröffnete ein
prächtiges Zimmer mit einem enormen Kronleuchter, aber zahlreichen
Stützpfeilern und Baugerüsten. Ich ahnte etwas und zückte mein Telefon für eine
Aufnahme.
Wir hatten tatsächlich Mussolinis Büro gefunden, wie wir nach kurzer
Internetrecherche feststellen sollten. Zügig verließen wir den nicht
autorisierten Teil der Tour und begaben uns zurück in das Innere des Museums.
Zahlreiche Exponate, angefangen von Gemälden, hinzu Skulpturen und letztlich
endend mit Ritterrüstungen, begleiteten unseren Weg hindurch. Zum Ende fanden
wir uns unter den Arkaden beim Garten wieder, welchen wir bereits von der
Loggia aus sehen konnten. Hier wuchsen Orangen- und Zitronenbäume. Im Zentrum
des Gartens fanden gerade Gartenarbeiten statt, oben wachte der
Museumsangestellte. Dennoch weigerte ich mich, den Garten ohne ein Andenken zu
verlassen, und nutzte einen günstigen Winkel und Zeitpunkt, um mir eine Zitrone
unter den Nagel zu reißen. Eine Zitrone aus Mussolinis Garten. Zumindest sagte
ich mir das.
Dank des netten Hinweises des Museumspersonals wußten wir, daß unsere Eintrittskarte auch für das Museum innerhalb des Vittorio-Emanuele-II.-Denkmals galt. Nur einen Katzensprung entfernt machten wir uns sogleich auf, um Eindrücke der Zeit der Einigung Italiens, der Risorgimento, zu sammeln.
Der Palazzo della Civiltà Italiana oder umgangssprachlich das Colosseo Quadrato sollte den nächsten Tagespunkt darstellen. Während der Großteil römischer Sehenswürdigkeiten aus dem Zentrum fußläufig zu erreichen war, lag dieses Gebäude etwas abseits im Viertel EUR, welches 1938 im Auftrag Mussolinis im Zuge der geplanten Weltausstellung angelegt wurde. Die Bahn brachte uns schnell und unkompliziert vor Ort. Dieses unglaublich photogene Gebäude, in dem nun der Modedesigner Fendi beherbergt wird, fiel schon von der Bahnstation auf.
Die vielen Bögen, die dem Gebäude seinen Spitznamen gegeben
haben, zählten in der Vertikalen die Anzahl der Buchstaben des Vornamens des
Duces und in der Horizontalen seines Nachnamens. Sie waren auch der Grund
dafür, daß sich das Colosseo Quadrato so hervorragend ablichten ließ. Frontal,
aus dem Winkel, zwischen den Bögen. Das Schattenspiel bot unendliche
Möglichkeiten und jede Aufnahme gelang. Der strahlende Sonnenschein tat sein
Übriges. Den Hinweis eines anderen Teilnehmers am Vortag, uns drinnen
umzusehen, quittierte die Rezeption prompt mit einem Rauswurf.
Nach etlichen Photographien schauten wir uns weiter in diesem jungen Viertel voller neoklassizistischer Bauten um. Verließ man das Gelände, gelangte man in wenigen Minuten zu einem Gebäude, das heute ein Sitz der Guardia di Finanza ist. Es genauer unter die Lupe zu nehmen, empfahl sich jedoch. Schon beim Abbiegen begegnete einem die Skulptur „Genio dello Sport“ (vormals „Genio del Fascismo“). Ein Baugerüst entstellte sie bedauerlicherweise über die Umdeutung hinaus. Das riesige Wandrelief war nur wenige Schritte entfernt am Eingang zu entdecken. Hier stellte man die Geschichte Roms, angefangen bei Romulus und Remus bis hin zum Duce, bildhaft dar. Von dort aus schlenderten wir weiter durch EUR entlang dem Palazzo dell’INA und dem Palazzo dell’INPS, welche sich gegenüberlagen, jeweils halbkreisförmig aufgebaut waren und deren Enden jeweils mit großen Wandreliefs verziert sind. Das viele Flanieren machte hungrig. Die Preise in EUR waren uns aber zu hoch, weshalb wir die Rückreise ins Zentrum antraten. In den dortigen Trattorias bekam man wirklich gutes Essen und das sehr viel günstiger.
Gesättigt ging es erneut auf einige alkoholhaltige Getränke ins Carré Monti. Dort konnte man sich auch noch von ausländischen Kameraden verabschieden, da sich unsere Reise langsam dem Ende näherte. Der Empfehlung, im Wisdomless Club einzukehren, einer Art Dandy-Bar, und besonders den Keller mit interessanten Exponaten zu besichtigen, kamen wir selbstredend nach. Wir starteten mit einer Runde Negronis in einem abgelegenen Teil der Bar. Den Negroni merkte ich sofort. Kein Wunder, bestand er doch nur aus Hochprozentigem: Gin, Wermut und Campari. Leicht angetüdelt blickte ich mich um. Neben dem Schirmständer aus Elefantenfuß wurde ich auch auf eine kleine Kiste zur Vampirabwehr aufmerksam. Hierin befanden sich neben Bibel und Rosenkranz auch Pflock und Hammer. Nach der zweiten Runde begrüßte uns auch der Inhaber persönlich. Den Keller wollten wir noch unbedingt sehen und waren bemüht, dies freundlich zu vermitteln. Aber entweder wollte oder konnte er uns nicht verstehen.
Nachdem wir einige Zeit später die Rechnung beglichen und der
Bedienung ein ordentliches Trinkgeld überließen, wofür sie sich aufrichtig
bedankte, versuchten wir ein letztes Mal, den Keller sehen zu dürfen. Sie
antwortete völlig locker: „Klar, geht einfach runter.“ Das kam überraschend.
Eine Treppe in der Nähe des Eingangs führte in jenen Keller. Die zwei großen
Flaggen des Königreichs Italiens – unter der auch Benito Mussolini das Land
führte – fielen sofort ins Auge. Ein Kellner folgte uns und verlor ein paar
Worte zu verschiedenen Stücken, die es hier zu bestaunen gab. Wie den
ausgestopften Bären gleich neben dem Sofa. Bevor wir den Keller und daraufhin
auch die Bar verließen, mußten wir noch den Zylinder nahe der Treppe aufsetzen
und uns damit ablichten. Nun solide alkoholisiert stiegen wir in den Bus, um
unseren Weg zurück ins Zentrum abzukürzen. Dieser war gut besetzt und ich
nutzte die Gelegenheit, die anderen Passagiere mit einem lauten „Pickpocket“
auf einen meiner Begleiter aufmerksam zu machen – sehr zur Belustigung einer
Gruppe Jugendlicher.
Das Ende des Tages wurde rituell mit dem Besuch im Cutty Sark eingeleitet. Hier trafen wir auch Bekanntschaften wieder, von denen wir uns zuvor schon verabschiedet hatten Es folgten noch lange Gespräche, gegenseitige Einladungen und die Hoffnung, sich hier im nächsten Jahr wieder zu begegnen, bevor es endgültig und zum letzten Mal ins Hotel zurückging.
Die Abreise stand nach einem guten Frühstück an. In Deutschland herrschte Schneechaos. Ungewiß, wie unsere Rückreise sich gestalten würde, fuhren wir mit dem Taxi früh zum Flughafen. Zum Zeitvertreib genehmigte ich mir ein Bier. Eine gute Entscheidung, nachdem sich unser Flug ohnehin verspätete. In Deutschland angekommen, war die Infrastruktur dann dank des Schnees zum Erliegen gekommen. Letztlich mußte uns der kurdische Taxifahrer hunderte Kilometer an unser Endziel bringen.
Die Zitrone fand sich zusammen mit einem japanischen Whiskey und einem heimischen Eiweiß in einem Whiskey Sour wieder.
Nachtrag
Nur wenige Wochen nach dem Gedenken an ermordete Nationalisten reiht sich ein weiterer Blutzeuge ein. Quentin wurde in Lyon, Frankreich am 12. Februar 2026 von Linksextremisten schwer verletzt, während er eine Gruppe Frauen der Organisation Colletif Némesis mit anderen bei einer öffentlichen Aktion schützen wollte. Zwei Tage später erlag Quentin seinen Verletzungen.
QUENTIN?
PRÉSENT!










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